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LIEBE & SEXUALITÄT
Alles nur Schimpfwörter


Schlampen, Schwule, Zwitter & Co.
Schlampe – schlampig, schlampert
Intersexualität, Hermaphrodit, Zwitter
Sexuelle Orientierung
TransGender-Person, Transe, Transsexualität, Transidentität

Schlampen, Schwule, Zwitter & Co.

Jeder von uns hat einen dieser Ausdrücke schon mal gehört, selbst verwendet oder ist sogar von jemand anderem so genannt worden. Transe, Lesbe, Schwuler, Zwitter, Schlampe und ähnliche Wörter werden im Streit sehr oft mehr als negativ verwendet. Jemand, der in der Klasse, Gruppe oder Nachbarschaft nicht willkommen ist, wird beschimpft, für sein anders sein niedergemacht und zum Außenseiter gestempelt.

Dabei umschreiben diese Begriffe lediglich besondere Eigenschaften von Menschen, die vielen von uns beim ersten Hinsehen nicht so ganz geheuer sind. Mit der dahinter verborgenen Bedeutung hat man sich noch nicht oder wenig beschäftigt, in der Öffentlichkeit wird kaum darüber gesprochen und auch in der Schule lernt man herzlich wenig darüber.

Was bleibt, sind eine Menge Unklarheiten und Vorurteile! Deshalb haben wir hier einige Gedanken und Wissenswertes zu diesem Thema zusammengetragen.


Schlampe – schlampig, schlampert

Dieser Begriff wird meist für Mädchen oder Frauen verwendet, die als unordentlich, unzuverlässig, ungepflegt wahrgenommen werden, vielleicht einen etwas chaotischen Lebensstil pflegen oder häufig mit unterschiedlichen anderen Menschen Sex haben, dadurch unterschiedlichste sexuelle Erfahrungen sammeln und sich damit nicht so verhalten, wie es einer Frau vom althergebrachten Rollenbild her entspricht.

Manche verwechseln die Schlampe auch mit dem Berufsbild der Prostituierten oder Hure.

Andere wiederum haben den unmoralischen Touch, der einer Schlampe anhaftet, positiv umgedeutet und bezeichnen mit diesem Wort Menschen, die tun, was ihnen Spaß macht, dabei aber Acht geben, dass sie niemanden verletzen.

Sehr oft ist es also eine Sache des Blickwinkels, ob es sich um ein Schimpfwort, eine beleidigende Floskel, einen "unanständigen" Begriff oder – ganz im Gegenteil! – um eine spannende Sache handelt.


Intersexualität, Hermaphrodit, Zwitter

Als zwittrig gilt in der Natur ein Lebewesen, das sich ohne Hilfe eines anderen Lebewesens fortpflanzen kann oder körperlich alle inneren und äußeren Merkmale des männlichen und des weiblichen Geschlechts aufweist.

Manchmal werden auch Babys so genannt, die nicht als Mädchen oder als Bub auf die Welt kommen, da sie einige Merkmale beiderlei Geschlechts aufweisen. Die korrekte Bezeichnung für dieses außergewöhnliche Phänomen ist eigentlich Intersexualität.

In der Antike galten Intersexuelle als göttliche Wesen, die Hermaphroditen genannt wurden. Sie nahmen eine besondere, heilige Stellung in der Gesellschaft ein, wie es heute teilweise noch in Indien und anderen Kulturen der Fall ist.

In Europa gilt ein Körper, der bei der Geburt weder klar männliche noch weibliche Züge trägt, immer noch als "defekt" und wird als krank ("Androgynes/Intersexuelles Syndrom") bezeichnet. Hier kommt jedoch gegenwärtig Einiges in Bewegung, und langsam wird es auch bei uns für intersexuelle Menschen mehr und mehr möglich, ohne medizinische Eingriffe aufzuwachsen, die nicht lebensnotwendig sind und die sie selbst oft gar nicht an sich vornehmen lassen wollten.


Sexuelle Orientierung

• Homosexualität – schwul/lesbisch: So nennt man Menschen, die Personen des eigenen Geschlechts erregend finden, sich in diese verlieben und/oder mit ihnen Sex haben. Homosexuelle Männer bezeichnet man als schwul, Frauen als lesbisch.

• Bisexualität: Menschen, die sexuell auf beide Geschlechter reagieren, werden als bisexuell bezeichnet.

• Heterosexualität: Diese Form der sexuellen Orientierung kommt am häufigsten vor und bezeichnet Menschen, die sexuell ausschließlich auf das andere Geschlecht orientiert sind.

Immer noch werden Menschen, die in einer lesbischen oder schwulen Liebesbeziehung stehen, bei uns in vielen Gesetzen und rechtlichen Regelungen gegenüber Hetero-Partnerschaften oder -Ehen benachteiligt!

Homosexuelle müssen mit Vorurteilen kämpfen und werden als "Lesberl", "Homo", "Schwuchtel" und dergleichen beschimpft, weshalb nur wenige offen über ihre eigene Bi- oder Homosexualität zu sprechen wagen.

Die Menschenrechtsorganisation, die sich in Oberösterreich am stärksten für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen einsetzt und versucht, durch Information (zumeist unbegründete) Ängste abzubauen, ist die "Homosexuelle Initiative Linz" (www.hosilinz.at), in der sich regelmäßig "LesBiSchwule" Jugendliche treffen, Eltern nicht heterosexueller Kinder eine Gesprächsrunde gegründet haben und zweimal wöchentlich die Möglichkeit besteht, sich telefonisch oder persönlich vor Ort im HOSI-Linz-Zentrum zu informieren (rund um die Uhr via E-Mail ooe@hosilinz.at).


TransGender-Person, Transe, Transsexualität, Transidentität

"Gender" ist die englische Bezeichnung für das soziale, also anerzogene Geschlecht, "trans" bedeutet "über etwas hinausgehend, jenseits". Eine TransGender-Person ist also ein Mensch, der (sei es durch Kleidung, Operation, etc.) von einem ins andere Geschlecht zeitweise oder für immer hinüberwechselt oder diesen Wunsch hat.

TransGenders haben es in unserer Gesellschaft nicht leicht, da sie die als fix geltende und strikt eingehaltene Trennung von weiblichem und männlichem Geschlecht in Frage stellen.

Hier die unterschiedlichen Phänomene, die mit Transidentität zu tun haben:

• TransGender: Überbegriff für alle Äußerungen, bei denen die Grenzen zwischen Mann-, Frau- und Mensch-Sein verschwimmen. Viele Personen, die sich nicht in eine der folgenden Kategorien einordnen wollen bzw. können, bezeichnen sich selbst als TransGenders.

• Travestie: Kunstform, bei der das andere Geschlecht, meist in witziger, parodierter Form, dargestellt wird. Drag Queens bzw. Drag Kings (DRAG = englische Abkürzung für "dress against", also "entgegengesetztes Kleiden") sind Männer bzw. Frauen, die sich in überzeichneter Weise aus Jux oder echter Schauspielkunst gegengeschlechtlich verkleiden. Es besteht kein Verlangen, neben Bühne oder Faschingsgschnas auch im Alltag in das andere Geschlecht zu wechseln.

• Transvestitische FetischistInnen: Menschen, die rein zur sexuellen Befriedigung Kleidung tragen, die eigentlich dem anderen Geschlecht zugeordnet wird. Auch hier besteht meist kein Verlangen, ins andere Geschlecht zu wechseln.

• TransvestitInnen/CrossdresserInnen: Menschen, die aus verschiedenen Beweggründen die Kleidung, die allgemein dem anderen Geschlecht zugeordnet wird, anziehen, jedoch nicht an einem Leben im anderen Geschlecht interessiert sind. In manchen Fällen die Vorstufe zur Transidentität. Die meisten "Transen" (oft abfällig verwendeter Begriff, vergleichbar mit "Schwuchteln" für Schwule) trauen sich nicht, ihre eigenen vier Wände zu verlassen, leiden unter der Unterdrückung großer Persönlichkeitsanteile und eigenen Schamgefühlen.

• GeschlechtswechslerInnen: Menschen, die eine andere Geschlechtsidentität leben (z.B. ein biologischer Mann, der in der Öffentlichkeit als Frau auftritt), aber wenig oder keine Absicht haben, sich einer geschlechtsanpassenden Operation zu unterziehen (schwächere Form der Transidentität).

• Präoperative Transsexuelle: Personen, die dauernd oder zeitweise im anderen Geschlecht leben und sich auch so empfinden, sich aber noch nicht der angestrebten geschlechtsverändernden Operation unterzogen haben.

• Postoperative Transsexuelle: haben sich der oben erwähnten Operation unterzogen und leben seit diesem Zeitpunkt mit allen Konsequenzen im für sie richtigen und auch von Rechts wegen anerkannten Geschlecht. Diese Operation (meist durch eine Hormon-Therapie begleitet) wird in Österreich erst nach jahrelanger psychologischer Begleitung und Alltagserfahrungen im Wunschgeschlecht gewährt (stärkere Form der Transidentität).

• Transidentität wird bei uns im Allgemeinen immer noch als Krankheit angesehen, obwohl Zusammenschlüsse von selbst betroffenen Menschen wie www.transgender.at oder http://transx.transgender.at dies oft gänzlich anders sehen und einfach in ihrem Anderssein akzeptiert werden möchten.

 
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PGA - Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit